Geschichte

Die Entstehung des Square Dance

Square Dance hat seine Wurzeln hauptsächlich in den englischen Country- und Contradances, wie auch in der französischen Quadrille. Es gibt weitgehend die gleichen Figuren wie in diesen Tanzformen und noch einige
mehr (nicht zuletzt auch deswegen, weil ständig neue Figuren neu dazu erfunden werden).
 
Der Caller ist eine amerikanische Erfindung: Er sorgte dafür, dass alle Tänzer sich der Tanzchoreographie
während des Tanzes wieder erinnerten. Hier ein Square Dance Caller in Aktion (vor ca. 60 Jahren):
 
 
Der amerikanische Volkstanz und somit der Square Dance hat zwei Wurzeln: eine englische und eine französische. Der englische Teil kann bis in das 14. Jahrhundert zurückverfolgt werden. Damals entstand in Europa der Moriskentanz (Morris Dance), der wahrscheinlich durch die Kreuzritter nach Europa und später nach England kam. Er scheint ursprünglich den Kampf zwischen Christen und Mauren dargestellt zu haben. Dieser Tanz wurde zum Vorläufer vieler anderer Tänze und der erste country dance, d.h. für das Volk. Der Morris Dance wurde von sechs Männern in gegenüber stehenden Dreierreihen getanzt. Der Tanz war improvisiert und die nötigen Anweisungen wurden von einem Vortänzer aus ihrer Mitte gegeben.

Im Lauf der Zeit wurden diese sechs Tänzer zu einer »endlosen Reihe beliebig vieler Teilnehmer« erweitert und auch die Damen wurden zugelassen (hurra!!!). Diese longways waren sehr variantenreich, wobei Elemente des heutigen Square Dance bereits erkennbar waren. Die longways eroberten im 17. Jahrhundert vom Volk ausgehend den englischen Königshof.  Während in England die höfischen Tänze von den Volkstänzen beeinflusst wurden, ging die Entwicklung in Frankreich den umgekehrten Weg vom höfischen Tanz zum Volk. Am Hofe Ludwig XIII wurden die englischen Tänze einbezogen, modernisiert, und sie wurden populär wie nie zuvor. Die longways wurden in Contre Danse umbenannt, was im übertragenen Sinn »Gegenüber-Tanz« bedeutet. Wieder rückläufig wurde diese Bezeichnung später wieder von den Amerikanern als Contra Dance übernommen.

Unter vielen Variationen entstand auch die Quadrille. Die hoffähige französische Tanzart wurde fast 150 Jahre lang Amerikas beliebtester Tanz. Hier tritt zum ersten Mal ein entscheidendes Phänomen auf: Ein Prompter, ein Tanzleiter, der die Figurenfolge den Tänzern als Gedächtnisstütze zurief, ohne dabei zu singen. Hieraus hat sich später der Caller entwickelt. Die Quadrille ist eine Mischung aus Square Dance und Contra Dance.

Weit im Westen der USA entwickelte sich der Western Square Dance. Es wurde alles an Volkstänzen einbezogen, was die Siedler aus allen Teilen der Welt beisteuerten.

Bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts gab es zu jeder Tanzmelodie eine feste Choreographie. Der Caller hatte bis dahin nur die Funktion einer Gedächtnisstütze. Doch dann wurde es Mode, die alten, festen Choreographien durch eigene Choreographien des jeweiligen Callers zu ersetzen. In den 60er Jahren setzten die renommiertesten Caller eine weitgehende Vereinheitlichung der Tanzbegriffe und Figuren durch. 

1974 wurden vom CALLERLAB, einer weltweiten Dachorganisation aller Caller, verschiedene Tanzprogramme definiert: »Basic« (Basisprogramm, wenig verwendet), »Mainstream« (das Grundprogramm), »Plus« (Fortgeschrittenenprogramm), »Advanced 1 & 2«, »Challenge 1 - 6« (die Programme für weit Fortgeschrittene). Diese Programme gelten weltweit.

Die Regeln des Square Dance ...vor 100 Jahren zum Schmunzeln (aus dem EAASDC Bulletin):

§  Eintritt 50 cents, Erfrischungen inbegriffen.

§  Keine Dame darf in schwarzen Strümpfen tanzen oder mit nackten Ellenbogen.

§  Jede Dame hat mit einem sauberen Taschentuch mit ihrem Namen darauf zu erscheinen.

§  Um Spucken zu vermeiden, darf kein Herr Tabak kauen oder rauchen.

§  Für Damen ist kein Kerzenwachs im Haar erlaubt.

§  Um Beschädigungen zu vermeiden, darf kein Herr in genagelten Schuhen tanzen.

§  Kein Herr darf mit einem Halstuch erscheinen, das länger als zwei Wochen getragen ist.

§  Lange Bärte sind verboten.

§  Damen ohne weiße Baumwollstrümpfe und schwarze Lederschuhe haben unter keinen Umständen Zutritt. Zwei ältere Damen werden am Eingang alle Eintretenden überprüfen.

§  Kein Herr darf seiner Partnerin die Hand drücken oder sie ernst anschauen ... außerdem darf er nicht ihr Taschentuch aufheben, falls es herunterfällt. Das erste bedeutet, dass er sie liebt, das zweite, dass er sie küssen möchte. Mit letzterem zeigt sie, dass sie mit beidem einverstanden ist.

§  Der Zeremonienmeister hat ein rotes Wams zu tragen, sandfarbene Wäsche, schwarze Strümpfe und einen kurzen Frack.

(Erstveröffentlichung in den New England Folk Festival News)